Unsere Photovoltaik Jahresstatistik 2022

Mittlerweile ist unsere Anlage seit etwas mehr als zwei Jahre in Betrieb. Im ersten vollen Jahr war noch nicht klar, was uns in der Praxis erwarten würde. Nun haben wir einen ersten Vergleich und nachdem 2021 wohl eher ein etwas unterdurchschnittliches Jahr war, wurden im Jahr 2022 immer wieder neue Rekorde erzielt. In den Monatsberichten könnt ihr ja schon unterjährig erfahren, wie unsere Anlage funktioniert und was diese an Ertrag liefert.

Unsere PV-Anlage im Überblick

Wie in den Monatsberichten, möchte ich auch in diesem Beitrag zunächst auf unsere PV-Anlage eingehen, damit neue Leser die Anlage sowie die Rahmenbedingungen kennenlernen. Alle anderen können dann direkt zum nächsten Kapitel springen.

Die Gesamtleistung der Photovoltaik-Anlage beträgt 9,86 kWp. Wegen einiger Verschattungsprobleme haben wir auf der Ost-Seite nur 10 Module mit 3,4 kWp und auf der West-Seite 19 Module mit 6,46 kWp installiert. Die Anlage wurde im Oktober 2020 in Betrieb genommen. Die Jahresleistung wurde mit etwa 7.450 kWh angesetzt. Grundsätzlich hätte noch mehr auf das Dach gepasst. Allerdings wäre der spezifische Ertrag, insbesondere durch die Verschattung auf der Ostseite, noch weiter gesunken. Auf Grund der schlechten Wirtschaftlichkeit hatten wir uns gegen einen weiteren Ausbau entschieden.

Westseite unserer PV-Anlage

Bei den Modulen haben wir LG Module mit einer Leistung von 340Wp verwendet und zwar die NeON 2 Black. Diese Solarmodule waren zwar etwas teurer, sehen dafür aber schöner aus. Der Wechselrichter ist ein Sunny Tripower STP 10 von SMA. Zur Auswertung der Anlage und Steuerung von Geräten haben wir den SMA HomeManager 2.0 im Einsatz. Darüber hinaus haben wir die Wallbox EVCharger 22 von SMA für unsere E-Autos installiert.

Mit der Wallbox, die in der Garage installiert ist, wird in erster Linie unser Kia eNiro geladen. Auf Basis des 240V-Ladegeräts von unserem VW eUp!, habe ich mir auch noch ein kleines Ladesystem gebaut. Diese kleine „Selbstbau Ladestation“ habe ich in einem anderen Beitrag schon einmal beschrieben. Das Ladegerät ist über eine steuerbare Fritz-Steckdose von AVM mit dem PV-System verbunden und wird darüber gesteuert.

Selbstbau Ladestation in Verbindung mit einer Paketbox

Schließlich habe ich unsere PV-Anlage sowie die Wallbox und das Ladegerät in unsere FHEM Haussteuerung eingebunden.

Jahresertrag unserer PV-Anlage in 2022

Der kalkulierte Ertrag unserer PV-Anlage liegt bei etwa 7.450kWh pro Jahr. Das entspricht einer spezifischen Leistung von 756kWh pro kWp. Diese Berechnung deckte sich mit den Angaben des Solateurs, der Ermittlung über PVGIS und meiner persönlichen Simulation, die ich bei der Planung der Anlage mit der Test-Version der Software PV*SOL durchgeführt hatte. Bereits das letzte Jahr lag über dieser Kalkulation, so dass ich grundsätzlich mit einem höheren Durchschnittswert kalkulieren kann.

PV-Bilanz 2022

Unser Gesamtertrag liegt in 2022 bei 8.466kWh und damit fast 12% über dem Ertrag des letzten Jahres. Daraus ergibt sich ein spezifischer Ertrag von 858 kWh pro kWp. Die Prognosewerte für die nächsten Jahre kann ich also durchaus ein wenig nach oben ausrichten. Im SMA Portal wird aktuell ein Mittelwert von etwa 8.049kWh berechnet. In PVGIS habe ich auch nochmal eine aktuelle Berechnung erstellt und den voreingestellten Wert für Systemverluste von 14% auf 10% gesenkt. Damit wird für die Ostseite ein PV-Ertrag von 3.208 kWh und für die Westseite 4.614 kWh ermittelt. In Summe prognostiziert PVGIS also einen Wert von 7.812 kWh. Wahrscheinlich könnte ich die Systemverluste noch weiter runter setzen, ich lasse den Wert jetzt aber erst einmal so und schaue, was das dritte PV-Jahr tatsächlich bringt.

Nachfolgend habe ich euch die monatlichen Prognosewerte, die ich aus PVGIS ausgewertet bzw. dem Sunny-Portal entnommen habe, mit den jeweiligen Ist-Werten gegenüber gestellt:

Werte in kWhPVGISSunny PortalIst-Werte 2022Anteil am
Gesamtertrag
Januar164,62118,321181,39%
Februar277,09354,96281,973,33%
März589,75709,92786,469,29%
April909,55946,56921,1210,88%
Mai1050,431064,881257,4314,85%
Juni1128,951262,081304,0915,40%
Juli1124,71025,441269,8815,00%
August940,81867,681109,313,10%
September697,88749,36671,797,93%
Oktober428,69433,84440,145,20%
November194,29236,64221,782,62%
Dezember127,66118,3285,551,01%
Summe7634,4278888467,51
monatliche PV-Ertragsübersicht im Vergleich zu Prognoswerten

In den Monaten März bis Oktober lagen die Ist-Werte regelmäßig über beiden Prognoswerte. In den Wintermonaten ist es sowieso etwas schwieriger, sinnvolle Prognosewerte zu finden. Bei den ohnehin recht niedrigen Erträgen wirken sich schlechte oder auch gute Tage im Verhältnis relativ stark aus. Dies erkennt man u.a. an dem sehr schlechten Dezember. Nachfolgend habe ich den Vergleich nochmal in einer Grafik aufbereitet.

Auch in diesem Jahr wurden im ersten Halbjahr ca. 55% der Erträge erwirtschaftet. Im folgenden Diagramm habe ich den direkten Vergleich zum Vorjahr dargestellt, sowie den aktuellen Mittelwert gegenüber gestellt.

PV-Ertrag Vergleich 2022 mit 2021 sowie dem Mittelwert

Autarkie und Selbstverbrauch

Interessant sind natürlich immer auch die Werte für die Autarkie und den Selbstverbrauch. Wieviel von meinem Stromverbrauch konnte ich über den PV-Strom abdecken und wieviel von der erzeugten Energie konnte ich selbst nutzen. Beides hängt natürlich auch ein wenig vom Verbrauch bzw. dem Verbrauchsverhalten ab.

Monatsübersicht der Verbraucher ohne E-Autos 2022

Betrachtung des Gesamtverbrauchs

Bei den nachfolgenden Werten habe ich zum Vergleich die Werte aus dem letzten Jahr in Klammern aufgeführt. In 2022 hatten wir einen gesamten Stromverbrauch von 6.421kWh (7.135kWh). Davon wurde für die E-Autos 1.504kWh (1.688kWh) an Strom benötigt. Der eigentliche Haushaltsstrom betrug damit 4.916kWh (5.447kWh).

Der geringere Haushaltsstrom kommt sicherlich durch die diversen Optimierungsmaßnahmen, auf die ich gleich noch weiter eingehen werde. Beim etwas niedrigeren Verbrauch für die E-Autos ist anzumerken, dass ich ab etwa März 2021 bei meinem Arbeitgeber laden kann, so dass zu Hause meist nur der e-UP! geladen wird. In 2023 wird der Verbrauch hier wahrscheinlich auch wieder etwas steigen, da die kostenfreien Ladungen beim Einkaufen weggefallen sind.

Unsere Autarkie lag in 2022 bei 48,5% (44,5%). Wir konnten also 3.114kWh (3.176kWh) von unserem Verbrauch mit Solarenergie decken. Durch die hohe Erzeugungsleistung konnte die Autarkie deutlich gesteigert werden. Durch den niedrigeren Verbrauch und den hohen PV-Ertrag ist die Selbstverbrauchsquote natürlich niedriger und lag bei 36,8% (41,8%). Der selbst verbrauchte Strom war aber ähnlich hoch, wie im letzten Jahr, wodurch sich der Netzbezug entsprechend verringert hat. Dieser lag in 2022 bei 3.307kWh (3.959kWh) und damit um 16% niedriger als im letzten Jahr.

In der nachfolgenden Tabelle habe ich nochmals den Monatsverlauf dargestellt:

Gesamtverbrauch PV-Erzeugung Selbstverbrauch Autarkie Selbstverbrauch
Januar547 kWh117 kWh99 kWh18,1%84,3%
Februar460 kWh282 kWh145 kWh31,5%51,3%
März636 kWh787 kWh394 kWh61,9%50,1%
April597 kWh921 kWh349 kWh58,5%37,9%
Mai587 kWh1.257 kWh370 kWh63,1%29,5%
Juni437 kWh1.304 kWh318 kWh72,7%24,4%
Juli512 kWh1.270 kWh367 kWh71,8%28,9%
August480 kWh1.109 kWh335 kWh69,8%30,2%
September521 kWh672 kWh286 kWh54,9%42,6%
Oktober508 kWh440 kWh209 kWh41,2%47,5%
November618 kWh222 kWh170 kWh27,6%76,8%
Dezember520 kWh86 kWh 70 kWh13,5%82,2%
Jahr6.421 kWh8.467 kWh3.114 kWh48,5%36,8%
Monatliche Darstellung der Autarkie und des Selbstverbrauchs in 2022

Betrachtung der Hauptverbraucher und der Ergebnisse der Optimierungsmaßnahmen

Autarkie und Selbstverbrauch lassen sich ja in erster Linie durch die Großverbraucher beeinflussen. Daher hatte ich in 2022 auch erste Optimierungsmaßnahmen aufgesetzt, die sich durchaus gelohnt haben. Die Autarkie konnte gesteigert und der Verbrauch sowie der Netzbezug konnten gesenkt werden. Nachfolgend seht ihr die Gesamtaufstellung der Verbraucher sowie die Info zur Autarkie pro Verbraucher.

Auswertung der Verbraucher 2022 und der genutzten Sonnenenergie (Autarkie)

Durchgeführte Optimierungsmaßnahmen 2022

Im letzten Jahr habe ich folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Verzicht auf einen zweiten Monitor im Arbeitszimmer und automatisierte Schaltung eines NAS in den Zeiträumen, in denen die Sicherungen laufen (-> Verbrauch senken).
  • Der Getränkekühlschrank wurde nachts ausgeschaltet (-> Verbrauch senken und Autarkie erhöhen)
  • Die Spülmaschine wurde hinsichtlich der Laufzeiten optimiert, so dass sie überwiegend prognosebasiert gestartet wurde und weniger oft lief. In den letzten Wochen wurde dann noch auf das „Schnellprogramm“ verzichtet (-> Verbrauch senken und Autarkie erhöhen)
  • Waschmaschine und Trockner wurden nicht explizit optimiert aber es wurde versucht, möglichst wenig von Hand zu schalten und teilweise mit Energiesparprogramm oder geringerer Temperatur. Allerdings hat sich die Anzahl Waschgänge deutlich erhöht, da wir seit einiger Zeit zusätzlich die Wäsche meiner Mutter organisieren. Der Mehrverbrauch hält sich dafür aber sehr in Grenzen.
  • Die Heizung für Wasserbetten wurde noch nicht optimiert. Hier habe ich nur ein paar Analysen gemacht und u.a. festgestellt, dass die Heizung bei meiner Frau öfter läuft und man bei den Schaltern darauf achten muß, dass sie richtig einrasten. Manchmal hatte ich mich über ein kaltes Bett gewundert, so dass auch die Werte auf Jahressicht und im Vergleich nicht sinnvoll nutzbar sind. Meine Heizung habe ich auch nicht über das gesamte Jahr gemessen und bei der Heizung meiner Frau bin ich mir nicht sicher, ob diese ggf. ausgetauscht werden müsste.

Nachfolgend zunächst die Darstellung der Verbraucher im Jahresvergleich aus dem Sunny-Portal.

Jahresvergleich der Verbraucher

In der folgenden Tabelle habe ich mal versucht alle relevanten Werte für den Vergleich der Großverbraucher darzustellen.

VerbraucherVerbrauch 2021Autarkie 2021Verbrauch 2022Autarkie 2022
Wallbox (Kia e-Niro)871 kWh46%595 kWh73%
Ladestation (VW eUp!)815 kWh78%905 kWh72%
Büro (PC-Leiste 1)513 kWh51%339 kWh51%
Büro (PC-Leiste 2)265 kWh43%194 kWh42%
Wohnzimmer (Multimedia)404 kWh27%361 kWh32%
Getränkekühlschrank151 kWh38%115 kWh60%
Spülmaschine277 kWh50%229 kWh63%
Waschmaschine165 kWh62%172 kWh71%
Trockner256 kWh55%263 kWh58%
Schlafzimmer (Wasserbett Anke)215 kWh51%146 kWh46%
Schlafzimmer (Wasserbett Jürgen)/40 kWh48%
Jahresvergleich der Großverbraucher und die Ergebnisse der Optimierungsmaßnahmen

Durch die Optimierungsmaßnahmen konnten wir beim Hausverbrauch (ohne E-Autos) um die 400kWh einsparen. Hierbei konnten über die höhere Autarkie etwas über 200kWh Netzbezug gespart werden. Mal sehen, ob ich für 2023 noch weiteres Einsparpotential finde oder die Autarkie noch weiter erhöhen kann.

Bilanz der Elektroautos

Nun gibt es noch ein paar Details zu den Verbräuchen der Elektroautos. Die Wallbox wird quasi ausschließlich für unseren Kia e-Niro genutzt und hat daher recht wenig zu tun. Daher wird die Wallbox quasi nur noch für die Urlaubszeiten benötigt. Auf Grund des HomeOffice-Einsatzes ist die Fahrleistung des Kia auch relativ gering. In 2022 betrug diese etwa 16.000 Kilometer.

Der eUp! wird in erster Linie von meiner Frau genutzt und damit machen wir im Prinzip auch sämtliche Fahrten in einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern. Das Aufladen des eUp! findet daher ausschließlich bei uns zu Hause oder kostenfrei beim Einkaufen statt. Wobei das kostenlose Laden seit ein paar Monaten auch Geschichte ist. Externe Stromkosten haben wir für das E-Auto bisher nicht benötigt. Die Fahrleistung lag in 2022 bei etwa 7.000 Kilometer und damit fast identisch zu 2021.

Monatliche Stromverbräuche für unsere E-Autos

In der nachfolgenden Tabelle ist nochmals der Verbrauch pro Monat sowie die Autarkie der beiden Ladeoptionen dargestellt. Den eUp! konnten wir von März bis September fast komplett mit Sonnenstrom beladen. Das Ladegerät des eUp! ist immer auf eine Leistung von 2,3kW eingestellt. Es wird also mit einem Strom von 10 Ampere geladen. In den Wintermonaten ist dann allerdings nicht mehr soviel PV-Überschuß vorhanden, so dass die Autarkie entsprechend sinkt.

Da wir den Kia nur während des Urlaubs oder bei längeren Wochenendtouren bei uns zu Hause laden, kommt es natürlich häufiger vor, dass er zu Zeiten beladen wird, an denen die Sonne nicht mehr scheint. Trotzdem kann sich die Autarkie auch hier sehen lassen. Hier findet die Beladung automatisiert mit einer Leistung von etwa 1,4kw einphasig (6 Ampere) bis 11kw dreiphasig (16A) statt. 11kw Ladeleistung werden allerdings dabei nur erreicht, wenn das Auto zwingend zu einem bestimmten Zeitpunkt geladen werden muß. Beim Überschußladen liegen die Maximalwerte eher bei 4-5kW, je nachdem, wie gut das Wetter ist und welche Verbraucher parallel in Betrieb sind.

WallboxAutarkie WallboxICCB-Ladegerät ICCB-Ladegerät
Januar0 kWhn.v.44 kWh47%
Februar0 kWhn.v.56 kWh60%
März6 kWh94%86 kWh96%
April38 kWh65%89 kWh81%
Mai58 kWh37%73 kWh94%
Juni7 kWh91%43 kWh96%
Juli4 kWh76%103 kWh94%
August1 kWh99%58 kWh97%
September11 kWh74%83 kWh88%
Oktober5 kWh79%81 kWh67%
November25 kWh43%111 kWh42%
Dezember2 kWh24%83 kWh18%
Jahr158 kWh73%910 kWh78%
Verbrauchs- und Autarkie Übersicht der Elektroauto Ladegeräte in 2022

Fazit und Ausblick

Das zweite Jahr mit unserer PV-Anlage war ein voller Erfolg. Wir haben einen tollen Wert bei der Erzeugung erreicht. mit dem ich tatsächlich nie gerechnet hätte.

In meinem nächsten Beitrag werde ich dann wieder auf die Wirtschaftlichkeitsrechnung eingehen. Diese sollte mit den zu erwartenden Prognosewerten und den gestiegenen Strompreisen noch etwas besser aussehen. Allerdings hat sich bei den steuerlichen Rahmenbedingungen einiges geändert, was uns auch negativ trifft.

Der PV-Ertrag aus 2022 wird wahrscheinlich so schnell nicht wieder zu erreichen sein. Schon der verregnete Januar ist eine ziemliche Katastrophe und wird wahrscheinlich kaum den Dezember 2022 übertreffen. Allerdings ist das sowieso ein schlechter Monat, der in der Jahresbetrachtung kaum ins Gewicht fällt.

Die Monatsberichte wird es natürlich auch weiterhin geben und wenn euch noch Infos zu den statistischen Werten fehlen, dann lasst es mich gerne wissen.

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