E-Auto Ladeplanung für die Urlaubsfahrt

Mit unserem Kia e-Niro haben wir im letzten Jahr erstmals eine längere Urlaubsfahrt an die Ostsee gemacht und ein paar Erfahrungen auf einer längeren Strecke gesammelt. Sehr hilfreich war das Programm bzw. die App von A Better Routeplanner. Mit diesen Erfahrungen und der demnächst anstehenden Reise nach München, möchte ich euch in diesem Beitrag einmal darstellen, wie ich die Ladeplanung für eine solche Reise durchführe. Nach der Reise gibt es dann natürlich auch einen Bericht dazu, wie die Fahrt mit unserem Elektroauto tatsächlich funktioniert hat.

Unsere persönlichen Rahmenbedingungen

Damit das Ergebnis meiner persönlichen Planung für eine Urlaubsfahrt mit dem Elektroauto nachvollziehbar ist, gibt es zunächst einmal meine Planungsparameter. Wenn man mit dem Elektro-Auto etwas längere Strecken absolvieren möchte, ist es tatsächlich immer noch notwendig, die Reise ein wenig vorzuplanen. Die Tesla-Fahrer werden wahrscheinlich wieder ein wenig schmunzeln, da sie damit nicht so große Probleme haben. Auch die neueren Elektroautos haben immer bessere Navis, die tatsächlich sinnvolle Vorschläge für die Ladeplanung machen. In unserem Kia e-Niro gibt es zwar auch die Möglichkeit, nach Ladestationen auf der Strecke zu suchen. Allerdings wird keine echte Routenplanung mit Ladestopps angeboten.

Wir fahren den Kia mit 64kWh Akku. Nach WLTP soll dieser etwa eine Reichweite von ca. 450km haben. Dies sind natürlich nur Werte, die bei besten Rahmenbedingungen und moderater Geschwindigkeit zu erreichen sind.

Wie ich in früheren Artikeln schon einmal erwähnt habe, halte ich nichts davon, mit einem E-Auto nur im Schneckentempo zu fahren, um möglichst viel Reichweite zu bekommen. Meine bisherige Reisegeschwindigkeit mit einem Verbrenner lag immer bei etwa 130 bis 140 km/h. Diesen Geschwindigkeitsbereich finde ich für eine längere Strecke optimal, da man sich dann eher auf der linken Seite der Autobahn aufhalten kann. Also sollte diese auch mit dem E-Auto angesetzt werden.

Planungsparameter für A Better Routeplanner

Die Erfahrungen mit A Better Routeplanner (ABRP) haben gezeigt, dass die App sehr konservativ rechnet. Aus der ersten Urlaubsfahrt habe ich einen für mich optimalen Verbrauch ermittelt, den ich bei ABRP als Parameter eingebe. Gefragt ist hier nach dem Verbrauch bei 110 km/h, den ich mit 150 Wh/km angebe. Damit passt der berechnete Verbrauch recht gut zu dem tatsächlichen Verbrauch in der Praxis.

Die weiteren Parameter, die man bei ABRP in der Detailansicht definieren kann habe ich wie folgt festgelegt:

  • SOC bei Abfahrt: 100%
  • SOC bei Ankunft am Ziel: 20%
    meine Frau hat gerne mehr Puffer, falls nicht sofort eine Ladestation in der Nähe ist 😉
  • SOC bei Ankunft an einem Ladepunkt: 15%
  • max. SOC beim Laden: 76%
  • ab diesem Wert nimmt die Ladegeschwindigkeit beim Kia deutlich ab
  • Batteriedegradation: 2%
    da das Auto noch relativ neu ist, könnte man wahrscheinlich einen noch niedrigeren Wert annehmen
  • Ladezeitaufwand: 2 Minuten
  • Referenzgeschwindigkeit: 110%
  • Maximale Geschwindigkeit: 135 km/h
    Da der Tacho des Kia etwa um 5km/h abweicht wären das 140 km/h Tachogeschwindigkeit.
  • Geschwindigkeitsanpassung: ausgeschaltet
  • Wind: 2m/s von Vorne
    Dieser Wert ist nur schwer zu ermitteln, hat aber durchaus wesentlichen Einfluß auf den Verbrauch
  • Temperatur: 18 Grad
  • Straßeneigenschaften: Trockene Straße
  • Zusatzgewicht: 200 kg
  • Wir machen ja meist Golfreisen und haben daher immer reichlich Gepäck an Bord

Die zu planende Fahrt führt uns von Lohmar nach München zu meinem Bruder. Die Strecke beträgt etwa 560km und wir nutzen eigentlich immer die A3 und machen in Geiselwind eine kurze Mittagspause.

Simulation der kürzesten Fahrtdauer

Oben habe ich ja beschrieben, dass ich eigentlich keine Lust habe, mit niedriger Geschwindigkeit eine längere Strecke zu fahren. Trotzdem hatte mich interessiert, mit welcher Geschwindigkeit ich denn mit dem Routenplaner die kürzeste Reisedauer habe. Als Vergleich habe ich mal bei Google im Verlauf nachgeschaut, wie lange wir bei der letzten Fahrt zu meinem Bruder nach München benötigt haben. Mit der obligatorischen Pause bei Geiselwind haben wir 5h43min benötigt.

Für die erste Simulation habe ich den Routenplaner die Strecke zunächst frei wählen lassen. Anschließend habe ich dann auch nochmal ein paar Simulationen mit Geiselwind als zwingenden Zwischenstopp ausprobiert. Interessant war tatsächlich, dass eine höhere Geschwindigkeit tatsächlich auch immer eine kürzere Zeit bedeutete. Die Ladezeiten auf Grund des höheren Verbrauchs haben sich also nicht so sehr verlängert, dass sie die gesamte Reisezeit negativ beeinflusst haben.

ABRP Simulation der Fahrt von Lohmar nach München bei 135 km/h

Ein Manko gibt es aber bei der Simulation mit dem Routenplaner. Ich habe tatsächlich bisher sehr wenige Praxiserfahrungen, wie lange ein Ladevorgang tatsächlich dauert. Meist spielt die Akkutemperatur hierbei eine nicht unwesentliche Rolle. Bisher hatte ich den Eindruck, dass der Ladevorgang auf Grund der schlechten Temperaturen immer etwas länger gedauert hat. Hier werde ich bei unserer Fahrt einmal genauer drauf achten.

Ohne Vorgaben hat A Better Routeplanner eine Strecke von 570km ermittelt. Hierbei sind natürlich auch die Wege zu den jeweiligen Ladestationen enthalten. Die berechnete Route führt allerdings an Stuttgart, also der A8, vorbei und nicht an unserem Wunsch-Rastplatz. Folgende Werte wurden von ABRP auf Basis unterschiedlicher Geschwindigkeiten ermittelt:

Max. GeschwindigkeitStreckeLadestoppsGesamtdauerFahrdauerLadedauer
100 km/h552 km26 h 26 min5 h 53 min32 min
110 km/h556 km26 h 11 min5 h 31 min39 min
120 km/h549 km25 h 40 min4 h 55 min45 min
130 km/h566 km35 h 45 min4 h 52 min53 min
140 km/h554 km35 h 30 min4 h 33 min58 min
150 km/h571 km35 h 32 min4 h 16 min1h 16 min
135 km/h (Tacho 140 km/h)554 km35 h 33 min4 h 38 min55 min
135 km/h (Rast: Geiselwind 35min)567 km35 h 44 min4 h 45 min59 min
ABRP Simulation der Fahrtdauer bei verschiedene Geschwindigkeiten

Schaut man sich die simulierten Werte an, dann scheint eine Geschwindigkeit von mindestens 120 km/h und maximal 140 km/h die optimalste Reisegeschwindigkeit zu sein. Die simulierte Gesamtdauer liegt dann nur etwa 10 Minuten auseinander.

Simulation der Fahrt von Lohmar nach München mit Rast bei Geiselwind

ABRP Planung optimieren

Man könnte nun die ABRP Planung einfach so übernehmen und sich damit zum Ziel navigieren lassen. Da ich mich bei den Ladestationen allerdings ungern überraschen lassen möchte, gibt es auch hierzu ein paar persönliche Vorgaben. Leider lassen sich die Vorgaben nicht so einfach über ABRP steuern. Man kann zwar bestimmte Betreiber von Ladestationen einschließen oder auch bevorzugen, sowie einzelne Ladestationen ausklammern. Mir fehlt aber beispielsweise eine Einstellung, dass mehrere Ladepunkte verfügbar sein sollten und dass die Ladestationen möglichst direkt an der Strecke liegen.

Aus diesem Grund schaue ich mir die ausgewählten Ladestationen immer im Detail an. Hierzu gehört auch ein Blick in die Kommentare, die man u.a. bei goingelectric zu den Säulen findet. Wenn es hier zu viele negative Kommentare gibt, versuche ich die Säulen zu vermeiden. Darüber hinaus bevorzuge ich Ladestationen, bei denen es möglichst mehr als 2 Ladepunkte gibt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass diese frei sind oder bei einem Defekt eine Alternative verfügbar ist. Außerdem bevorzuge ich Ladestationen, die direkt an der Autobahn liegen, so dass man nicht erst noch ein paar Kilometer von der Autobahn herunter fahren muß.

Da wir ansonsten quasi keine Ausgaben für das Betanken unserer Elektro-Autos haben, kann ich es auch verschmerzen, auf den längeren Strecken die teuren Ladestationen von Ionity anzufahren. Aus meiner Sicht haben diese den Vorteil, dass sie sehr zuverlässig sind und meist immer freie Ladepunkte zu finden sind. Darüber hinaus haben wir uns die Ladekarte von EWE Go besorgt. Mit dieser Karte zahlt man aktuell noch 49ct/kWh statt der üblichen 79ct.

Für unsere Strecke haben wir ja bereits einen Wunsch-Rastplatz für die Mittagspause. Grundsätzlich schaue ich aber, ob es für die Mittagspause evtl. ein schönes Restaurant in der Nähe gibt. Bei unserer letzten Tour hatten wir ja riesiges Glück und ich habe einen tollen Mexikaner mit Schnelllader auf dem Restaurant-Parkplatz in unmittelbarer Nähe zur Autobahn gefunden.

Von ABRP geplante Ladestationen prüfen

Auf unserer Strecke haben wir ja Geiselwind nicht nur für unsere Mittagspause ausgewählt, sondern weil es dort auch zahlreiche Lademöglichkeiten gibt. Für die Pause haben wir eine Dauer von 35 Minuten kalkuliert. Sollte es etwas länger dauern, dann würde sich also die Ladezeit für den nächsten Stopp etwas verkürzen.

Der erste Ladestopp auf der berechneten Route liegt etwa 181 Kilometer von unseren Startpunkt aus entfernt. Die berechnete Dauer liegt bei ca. 1,5 Stunden. Ein guter Zeitpunkt, um eine kurze Toilettenpause einzulegen. Geplant ist hier eine Ladedauer von ca. 12 Minuten (von 40% auf 61% SoC), was also gut passen würde.

Schauen wir uns die Ladestation also mal ein wenig näher an. Klickt man die Ladestation auf der Landkarte an, dann erhält man ein paar Zusatzinfos. Interessant sind hierbei auch die Infos zu interessanten Orten in der Nähe, wie Restaurants, Hotels usw.. Die wichtigsten Infos sind aber die angebotenen Ladegeschwindigkeiten sowie die verfügbaren Ladepunkte. Auf dem folgenden Bild ist die Ladestation „Weiskirchen Süd“ zu sehen. In dem Kreis oberhalb des Betreibersymbols ist ein Kreis mit der Leistung zu sehen. In diesem Fall handelt es sich also um 350kW-Säulen. Da unser Kia sowieso nur mit maximal ca. 75kW beladen werden kann, sollte das völlig ausreichend sein. Mit den Kreissegmenten wird angezeigt, dass hier 4 Ladepunkte zur Verfügung stehen. Davon ist ein Ladepunkt belegt (rot).

Detailinfos einer Ladestation in ABRP

Damit entspricht die Ladesäule komplett meinem Wunschprofil. Schnelle Ladesäulen in ausreichender Anzahl und direkt auf einem Rastplatz der befahrenen Autobahn.

In Geiselwind würde man dann laut Routenplaner mit 15% SoC ankommen und in der geplanten Pause von 35 Minuten wieder bis zu 75% aufladen. Etwa 150 Kilometer von Geiselwind entfernt wäre dann der nächste geplante Stopp zu finden. Auch hierbei handelt es sich wieder um eine Ionity-Station, die direkt auf einem Rastplatz liegt. Geplant ist eine Ladedauer von 13 Minuten (26% -> 51%). Mit dieser Ladung sollen wir dann für eine Strecke von knapp 100 Kilometern bei 20% SoC in München ankommen.

Schaut man sich die Ladestationsinfo auf der Seite von Goingelectric an, dann sieht man dort, dass aktuell eine Säule defekt zu sein scheint. Da es aber noch drei andere Säulen gibt, sollte das in der Regel kein Problem sein. Außerdem gibt es auf diesem Rastplatz auch noch andere Ladesäulen, die aber nicht die hohen Ladeleistungen haben.

Ladestationsinfo von Goingelectric

Zusätzliche Ladestationen ermitteln

Neben den vorgeschlagenen Ladestationen von ABRP suche ich in der Gegend auch immer noch alternative Ladesäulen heraus. Wenn der Verbrauch beispielsweise reichen würde, um evtl. mit einer Ladung nach Geiselwind zu kommen (ca. 315 km), hätte ich gerne eine Lademöglichkeit etwa 30 bis 70 Kilometer vor Geiselwind. Sollte es dann doch etwas enger werden, hätte man direkt eine Alternative für einen kurzen Zwischenstopp. Darüber hinaus habe ich gerne immer ein paar Lademöglichkeiten auf der Strecke zur Auswahl, falls doch einmal etwas unvorhersehbares passiert.

Routenkarte von ABRP zur Auswahl alternativer Ladestationen

Die nächste Ladestation auf der ermittelten Route, vor dem Halt in Geiselwind, wäre der Rastplatz Haidt Süd. Auch hier befindet sich wieder eine Ionity-Station. Die Entfernung von unserem Startpunkt liegt bei etwa 300 Kilometer, könnte im Extremfall also auch noch ein wenig knapp werden. Bei der Suche einer Ladestation, die etwas näher an unserem Startpunkt liegt, würde ggf. auch „Toppels – Verdrehte Welt“ bei Wertheim in Frage kommen (ca. 245km). Hier gibt es zwar nur zwei 150 kW Ladestationen, dafür aber einige Restaurants. Da dieser Ort ein beliebtes Ausflugsziel ist, ist die Gefahr auch größer, dass die Säulen besetzt sein könnten. Bei Bedarf wäre dies also auch eine Alternative für eine Mittagspause. Dies würde dann aber eine Neuplanung der verbliebenen Strecke bedeuten.

Auch das könnte man natürlich simulieren. Nutzen wir hier eine Mittagspause von 35 Minuten, würde ABRP wieder eine andere Strecke bevorzugen. Außerdem wird in 78km Entfernung eine Zwischenladung von 7 Minuten eingeplant. Da stellt sich dann die Frage, ob man die Pause nicht um 5 Minuten verlängern sollte.

Alternative Route mit 35 Minuten Pause bei Toppels verdrehte Welt

Interessanterweise kommt man dann auf einmal auch mit nur 2 Ladestopps aus. Wenn man also selbst ein paar Parameter im Routenplaner verändert und andere Stationen auswählt, kommt man durchaus auf ähnlich gute oder sogar noch bessere Ergebnisse. Auch die Gesamtzeit hat sich dadurch quasi nicht verändert. Mit der auf 40 Minuten verlängerten Mittagspause wird dann auch wieder unsere ursprüngliche Strecke ausgewählt.

Alternative Route mit 40 Minuten Pause bei Toppels verdrehte Welt

Soweit erst einmal ein paar Einblicke in meine Ladeplanungen, die ich vor einer längeren Fahrt mit dem Elektro-Auto durchführe. Interessant ist dann sicherlich, wie die Fahrt in der Praxis ablaufen wird. Welchen Einfluss haben beispielsweise Staus, die auf der Strecke ja nicht unüblich sind. Wie gut lässt sich dann eine alternative Strecke unterwegs einplanen, wenn man dies in der App machen muß und nicht am heimischen PC.

Zusätzlich habe ich die ausgewählten Ladestationen in zwei Ladekarten-Apps als Favoriten hinterlegt. So kann man zusätzlich nochmal prüfen, ob die Ladestationen tatsächlich frei sind. Hierzu habe ich einmal die mobility+ App und die Punktladen App von EWE genutzt.

Gespannt bin ich auch, wie die ganzen Realtime-Funktionen von ABRP in der Premium-Version funktionieren. Aktuell habe ich den Testzeitraum genutzt, um diese Funktionen einmal zu testen. So berücksichtigt ABRP dann die aktuellen Wetterbedingungen, den Verkehrsfluss und in Verbindung mit der App EVNotify auch den tatsächlichen Verbrauch während der Fahrt. Hierzu habe ich mir extra einen ODBC Stecker besorgt und die beiden Apps miteinander verbunden. Erste Tests bei einer Fahrt von ca. 170km pro Strecke waren schonmal sehr vielversprechend.

One comment

  1. Jetzt auch noch ein Artikel über Elektroautos und Routenplanung. Irgendwie beschäftigst du dich immer exakt mit den gleichen Themen wie ich – und bist mir dabei immer ein paar Wochen voraus 🙂
    Was natürlich super ist für mich, weil ich in deinem Blog immer schon mindestens tolle Lösungs-Ideen, wenn nicht sogar fertige Lösungen vorfinde. Nur hab ich langsam fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich dir alles nachbaue, aber nichts zurückgeben kann 😉
    Wenn meine Wallboxen schon da wären (2 x openWB) (und es Schnelllader wären) würd ich dir ja anbieten noch ein paar km weiter als Geiselwind zu fahren und bei mir aufzuladen 😉

    Ich hab seit dieser Woche einen e-up und bin just im Moment dabei mir verschiedene Routenplaner anzuschauen.

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