Was sollte man über Elektroautos wissen – Ladekarten

In meiner Artikelreihe „Was sollte man über Elektroautos wissen“ starte ich heute mit dem Thema Ladekarten bzw. einer Erläuterung, wie man die richtigen Ladekarten oder Lade-Apps für den persönlichen Bedarf findet.

Das Thema ist allerdings so umfangreich und unübersichtlich, dass ich nicht alle Infos in einem Artikel darstellen kann. Im ersten Teil werde ich daher den Versuch starten, die einzelnen Anbieter von Ladekarten in Gruppen zusammen zu fassen. Darüber hinaus gibt es zunächst ein paar Fragestellungen, die man für sich beantworten sollte, um eine möglichst optimale Auswahl seiner Ladekarten zu treffen. Idealerweise findet man sich dann in einer der aufgeführten Gruppen für bestimmte Ladetypen wieder.

Persönlich habe ich mich dazu entschlossen, mit so wenig Karten, wie möglich auszukommen. Mir geht es nicht darum, immer die günstigste Möglichkeit zu finden. Eigentlich habe ich keine Lust, jedes Mal überlegen zu müssen, welche Karte man an einer bestimmten Säule verwenden sollte. Das führt dann sicherlich dazu, dass man nicht immer zum günstigen Preis seinen Strom bezieht aber der Komfort sollte eben auch nicht vernachlässigt werden.

Welche Kriterien sollte ich bei der Auswahl von Ladekarten berücksichtigen?

Bei der Auswahl möglicher Ladekarten würde ich zunächst damit starten, mir die folgenden Fragen zu beantworten. Je nach Antwort empfehlen sich dann bereits einige Anbieter von Ladekarten, so dass die Auswahl aus dem unübersichtlichen Tarif-Dschungel etwas eingeschränkt werden kann.

  • Habe ich die Möglichkeit zu Hause zu laden oder kann ich beim Arbeitgeber laden?
    Hat man eine eigene Wallbox oder kann beim Arbeitgeber laden, dann wird man in der Regel auf lokale Anbieter für Ladekarten verzichten können. In der näheren Umgebung seines Wohnortes wird man dann wahrscheinlich kaum laden oder maximal auf die kostenfreien Angebote zurückgreifen. In diesem Fall wäre das Auswahlkriterium für eine Ladekarte wahrscheinlich die Anzahl der nutzbaren Ladesäulen sowie der Preis. Kann ich nicht zu Hause oder beim Arbeitgeber laden, dann könnten ggf. die Flatrate-Modelle einiger Anbieter eine gute Alternative sein.
  • Bin ich im ADAC oder ähnlichen Vereinigungen?
    Ist man bereits Mitglied beim ADAC, dann bekommt man dort ggf. eine günstige Ladekarte für seine Bedürfnisse. Eventuell gibt es auch andere Automobilclubs oder sonstige Vereinigungen, die eigene Ladekarten anbieten.
  • Ist mir der Preis beim öffentlichen Laden egal?
    Diese Frage wird wahrscheinlich von vielen verneint werden. Wer allerdings überwiegend zu Hause laden kann und dies ggf. sogar mit günstigem Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage, wird eventuell nicht so viel Wert auf einen niedrigen Preis für das öffentliche Laden legen. Theoretisch kommt man dann schon mit einer Ladekarte aus, die möglichst viele Ladesäulen abdeckt.
  • Lade ich überwiegend an AC- oder DC-Säulen?
    Wenn man nahezu ausschließlich an AC-Säulen lädt und beispielsweise nur im Urlaub DC-Säulen nutzt, kann man die Anzahl der Ladekarten ggf. reduzieren. In diesem Fall würde man dann einen etwas teureren Preis beim DC-Laden in Kauf nehmen. Hier eignen sich beispielsweise die Verbünde von Stadtwerken oder überregionale Stromanbieter.
  • Lade ich mein E-Auto häufig über einen längeren Zeitraum an einer öffentlichen Ladesäule? (z.B. Nachts)
    Wer über keine eigene Lademöglichkeit verfügt, wird sein Auto eventuell während der Arbeitszeit oder Nachts in der Nähe der Wohnung aufladen. Hier fallen dann einige Anbieter von Ladekarten heraus, die eine Blockiergebühr eingeführt haben. Damit will man verhindern, dass Ladesäulen über einen längeren Zeitraum von einem Fahrzeug belegt werden. Der Grundgedanke ist sicherlich richtig, jedoch erschwert dies die Aufladung der Gruppe von E-Autofahrer, die nur an öffentlichen Säulen laden können.
  • Habe ich einen Strom- oder Gasanbieter, der auch Ladekarten anbietet?
    Einige Energieversorger bieten tatsächlich oft auch Ladekarten an oder bauen selbst entsprechende Ladeinfrastrukturen auf. Liegt ja auch sehr nahe, wenn man Strom verkauft, dass man an dem weiter steigendem Bedarf von Ladestrom partizipieren möchte. Da ich sowieso regelmäßig meine Energieanbieter überprüfe, bin ich beim letzten Mal auch zu einem Anbieter gewechselt, der zusätzlich günstige Ladetarife anbietet.
  • Fahre ich ein Elektroauto von einem Hersteller, der spezielle Ladetarife anbietet?
    Einige Hersteller haben sich zusammen geschlossen (Bsp.: Ionity), um auch beim Thema Ladeinfrastruktur mitzumischen. Andere Hersteller haben ggf. interessante Angebote für Ladekarten, die man durchaus prüfen sollte.
  • Bin ich mit dem E-Auto oft im Ausland unterwegs?
    In diesem Fall sollte man auf jeden Fall eine Ladekarte wählen, die in den entsprechenden Ländern nutzbar ist, also ein möglichst breites Ladenetz unterstützen.

Gruppierung von Ladetypen

Aus den obigen Fragestellungen lassen sich grob folgende Ladetypen ableiten, wobei man sich in der Regel in mindestens zwei Gruppen wiederfinden wird:

  • Regionale Lader
    Hierunter fallen diejenigen, die weder zu Hause noch beim Arbeitgeber die Möglichkeit haben ihr E-Auto aufzuladen. Sie sind auf Ladeangebote in der Umgebung des Wohnortes oder Arbeitsplatzes angewiesen. Hier eigenen sich neben den großen Energieanbieter evtl. die Angebote lokaler Stadtwerke.
  • Viellader
    Dies sind meist die E-Autofahrer, die regelmäßig größere Strecken zurück legen und dabei auch immer auf diesen Strecken laden müssen. Für diese Gruppe gibt es diverse Optionen aus den unten aufgelisteten Anbietergruppen. Wer es besonders einfach haben möchte und nicht so sehr auf den Preis schaut, wird wahrscheinlich bei den Roaminganbietern fündig aber auch die Energieversorger, wie beispielsweise Maingau und EnBW dürften interessante Tarifmodelle haben.
  • Gelegenheitslader
    Gelegenheitslader sind die E-Autofahrer, die in der Regel zu Hause oder am Arbeitsplatz laden können und eine öffentliche Lademöglichkeit meist nur bei größeren Wochenendfahrten oder kleineren Urlaubstouren nutzen. Für diese Gruppe empfiehlt sich meist auch eine Ladekarte mit einem möglichst umfassenden Ladenetzwerk.
  • Urlaubslader
    Urlaubslader könnte man eigentlich mit der Gruppe der Gelegenheitslader verbinden. Diese Gruppe benötigt meist nur auf längeren Urlaubstouren eine Lademöglichkeit. Da hierbei dann in der Regel die Schnelllader genutzt werden, sollte man auf Ladekarten achten, die ein großes Netzwerk innerhalb von Europa abdecken. Hilfreich sind hier dann auch günstige Anbieter für die Ionity Ladesäulen.

Kategorien von Ladeanbietern

Bei den Ladeanbietern lassen sich unterschiedliche Kategorien definieren. Diese reichen vom reinen Anbieter einer Ladeinfrastruktur wie beispielsweise has·to·be, Fastned oder Ionity bis hin zu reinen Remote-Anbietern, die Kooperationen mit diversen Marktteilnehmern eingehen aber keine Ladesäulen betreiben.

Reine Betreiber von Ladesäulen / Elektromobilitätsanbieter

In dieser Kategorie habe ich die Unternehmen aufgenommen, die in erster Linie eigene Ladestationen aufbauen und betreiben aber beispielsweise keine allgemeinen Energieanbieter sind. Hierzu gehören in erster Linie Anbieter wie Fastned (Niederlande), Ionity, Allego oder auch Shell, Smatrics (Österreich).

Wobei man an der Zusammenstellung schon sieht, dass die Zuordnung zu solchen Kategorien nicht immer ganz einfach oder eindeutig ist. Viele Betreiber von Ladesäulen bieten auch weitergehende Services an oder treten als Roaming-Anbieter auf. Andererseits gibt es Unternehmen, wie Ionity, die sich ausschließlich auf den Betrieb von Ladesäulen konzentrieren oder Services für andere E-Mobility-Anbieter bereit stellen.

Interessant sind diese Anbieter für den privaten E-Autofahrer daher in erster Linie, wenn diese entsprechende Roaming-Service anbieten. Von den erwähnten Unternehmen sticht hier sicherlich Shell hervor, die mit einem sehr großen (Roaming-)Ladenetz in über 35 Ländern punkten.

Nachteil dieser Anbieter ist aber meist, dass man nie genau weiß, wie teuer die Stromladung an einer Säule ist. Als Roaming-Anbieter werden zwar Ladekarten oder mobile Apps angeboten, aber die Preise sind je nach Betreiber der Ladesäule durchaus unterschiedlich. Im Beispiel für Shell (Shell Recharge) steht zwar der Preis für die eigenen Ladesäulen fest aber bei allen anderen Ladesäulen wird der Preis durch den Betreiber festgelegt. Das ist natürlich nicht wirklich transparent, da auch die Ladesäulen selbst bisher oft wenig Auskunft über den Preis geben. Meist helfen hier zwar entsprechende Apps aber benutzerfreundlich ist das nicht wirklich.

Diese Anbieter eignen sich daher in erster Linie als mögliche „Notlösungen“, wenn man beispielsweise viele Ladesäulen abdecken möchte. Ich habe mir aus diesem Grund auch eine Ladekarte von Shell Recharge besorgt, diese aber bisher noch nie eingesetzt.

Energieversorger

Viele Energieanbieter wie EnBW, E.ON (Ionigy), Maingau, EWE oder auch größere Stadtwerke wie „Stromnetz Hamburg“ betreiben eigene Ladesäulen und treten gleichzeitig als Mobilitätsdienstleister auf. Viele dieser Unternehmen bauen oft regionale Ladeinfrastrukturen auf und betreiben diese. Andere Unternehmen, wie beispielsweise EnBW haben sich zum Ziel gesetzt umfangreiche Ladeinfrastrukturen zu errichten und konzentrieren sich dabei auf Schnellladestationen.

In der Regel treten diese Anbieter auch als Roaming-Anbieter auf und bieten darüber ein recht großes Ladenetzwerk an. Vorteil hier ist die meist einheitliche Preisgestaltung. So gibt es in der Regel einen Preis für AC-Ladungen und einen Preis für DC-Ladungen. Eventuell wird dann noch ein Aufschlag für das Laden in verschiedenen Ländern erhoben.

Wer den Ladesäulenbetreiber Ionity im Programm hat, definiert auch hierfür meist einen gesonderten Preis. Dies liegt daran, dass Ionity ein Hochpreisanbieter ist, der auch entsprechend hohe Preise mit seinen Roaming-Partnern vereinbart. Aktuell gibt es hier nur wenige Ausnahmen, wie EWE Go oder die Stadtwerke München, die versuchen, auch für Ionity einen niedrigen Ladepreis anzubieten. Allerdings muß man auch bei diesen Anbietern die Rahmenbedingungen genau prüfen und ggf. einen Blick in die AGBs werfen.

Die SW München behalten sich eine Kündigung ihrer Ladekarte vor, wenn man innerhalb von 2 Monaten mehr als 50% Strom über Remote-Partner bezieht. Ich hatte mir die Karte eigentlich für den Urlaub besorgt, da ich auf Langstrecke durchaus die Vorteile der Ionity-Säulen nutze (funktionieren meist und sind meist frei). Wenn ich aber keine Gelegenheit habe, im Münchener Umland die Ladesäulen von den SW München zu nutzen, werde ich die Ladekarte wahrscheinlich nicht sehr lange nutzen können.

Stadtwerke bzw. Ladeverbunde

Zahlreiche Stadtwerke bauen in ihren Regionen auch eigene Ladeinfrastrukturen auf oder bieten Ladeservices an. Insbesondere kleinere Stadtwerke haben sich hierbei in unterschiedlichen Ladenetzwerken zusammen gefunden. Eines der bekanntesten Netzwerke ist wahrscheinlich das Ladenetz.de.

Meist bieten diese Stadtwerke dann eigene regionale Ladekarten mit eigenen Preisen an und treten über entsprechende Verbunde als Roaming-Partner auf. Insbesondere, wenn man nicht zu Hause oder beim Arbeitgeber laden kann, sollte man die Angebote der regionalen Anbieter prüfen. Eventuell kommt man darüber sogar an günstigere Tarife, als über die großen Energieversorger.

Screenshot Maingau App

Automobilhersteller

Nahezu jeder Automobilhersteller von Elektroautos bietet auch ein Ladeservice in Form von speziellen Tarifen an. Unangefochtener Vorreiter ist hier Tesla. Diejenigen, die einen Tesla fahren, werden diesen Artikel wahrscheinlich sowieso belächeln. Sie müssen sich um diese ganzen Fragestellungen keine Gedanken machen, da gerade das Thema Ladeinfrastruktur und auch die entsprechende Abrechnung bei Tesla optimal gelöst ist.

Die Hersteller Volkswagen, Audi, Porsche, Mercedes, BMW, Hyundai und Ford haben den Ladestromanbieter Ionity gegründet bzw. gehören mittlerweile zu dem Konsortium. Aktuell haben wohl auch Renault und Shell Interesse, sich an Ionity zu beteiligen. Alle diese Hersteller haben in der Regel besondere Preise für die Lademöglichkeiten bei Ionity. Wer ein E-Auto dieser Marken fährt kommt also ggf. in den Genuss bei Ionity deutlich günstiger Strom beziehen zu können.

Automobilverbände

Automobilverbände bieten ihren Mitgliedern auch eigene Ladekarten oder Apps an. Diese gehen in der Regel Partnerschaften mit anderen Mobilitätsanbietern ein. So hat sich der ADAC mit EnBW zusammen geschlossen und bietet quasi deren „Kunden-Tarife“ an. Der AvD kooperiert mit dem Ladenetz.de. Vergleicht man die Tarife muß man dann aber streng genommen auch die Mitgliedsgebühren bei der Kalkulation berücksichtigen.

Roaming Anbieter

Neben den oben bereits erwähnten Anbietern, die häufig auch als Roaming-Anbieter fungieren, gibt es auch spezielle Anbieter, die ausschließlich Partnerschaften zu Ladestationsbetreibern aufbauen und versuchen, damit ein großes Ladenetz aufzubauen.

In der Regel versuchen diese Anbieter mit einheitlichen Preisen zu agieren, und werben oft auch mit entsprechend übersichtlichen Ladetarifen. Ein recht neuer Anbieter in dieser Richtung ist elvah. Ein anderer bekannter Anbieter ist Plugsurfing. Vorteil der Anbieter ist oft das große Ladenetzwerk. Meist haben sie aber den Nachteil, dass die Kosten leicht über denen spezieller Anbieter liegen oder spezielle Kunden-Tarife nicht erreichen können. Schließlich müssen sie bei einem einheitlichen Preis eine gute Mischung aus den Tarifen der angeschlossenen Betreiber kalkulieren.

Tarifmodelle bei Ladestromanbietern

Zum Schluß möchte ich noch kurz auf die unterschiedlichen Tarifmodelle eingehen, die sich bei den diversen Anbietern etabliert haben.

In der Vergangenheit hat es auch Tarife gegeben, die eine Ladung nach Ladezeit berechnet haben. Diese sollten aber insbesondere in Deutschland kaum noch verfügbar sein, da im Rahmen des Eichrechts eine Abrechnung pro kWh erforderlich ist.

Grundsätzlich unterscheiden die meisten Anbieter zwischen AC- und DC-Ladungen. Weiterhin können sich Preise in unterschiedlichen Ländern unterscheiden. Hier sollte man gerade für Urlaubsfahrten genau prüfen, welche Kosten im jeweiligen Land entstehen können.

Insbesondere bei den Energieanbietern wird oft auch zwischen allgemeinen Tarifen und speziellen Tarifen für Kunden, die beispielsweise Haushaltsstrom oder Gas beziehen, unterschieden.

Bei den Roaming-Anbietern findet man darüber hinaus oft Ladetarife mit Pauschalbeträgen. Hier muß man genau prüfen, welche Pakete den eigenen Ladegewohnheiten entsprechen. Um günstige kWh-Preise anbieten zu können, wird oft auch eine monatliche Grundgebühr erhoben. Hierdurch werden solche Tarife erst bei einer regelmäßigen monatlichen Ladung ab einer bestimmte Stromabnahme interessant. Diese Tarife eignen sich also meist nicht für Gelegenheitslader oder Urlaubslader.

Das Thema Blockiergebühr hatte ich auch schon erwähnt. Auch diese Zusatzkosten sollte man immer im Auge behalten, wenn man die unterschiedlichen Tarife miteinander vergleicht.

Bisherige Artikel der Serie „Was sollte man über Elektroautos wissen“

In den nächsten Artikeln werde ich dann einige Ladekarten-Anbieter nochmal etwas genauer vorstellen und versuchen, ein paar Tipps für die jeweiligen Ladetypen zu geben. Gerne gehe ich auch auf ganz konkrete Fragestellungen von euch ein.

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